Die wechselvolle Geschichte des heutigen
Hauses Möhlmann („Mölms“) verlief
ab dem Jahre 1810 parallel mit der Entstehung des Postwesens in Steinfeld.
So verließen zur Winterzeit die Postboten um 8 Uhr Vechta, übernachteten
in
Steinfeld und kamen am folgenden Tag in Damme an. Zehn Jahre lang gab
es
diese Botenpost bevor im April 1820 die reitende Post zwischen Oldenburg
und
Damme ihren Dienst aufnahm. In kleineren Orten wie Steinfeld wurde
einem
Wirt die Konzession erteilt, die Briefe für die umliegenden
Bauerschaften
und den Ort selbst entgegenzunehmen. Diese Postannahmestelle befand
sich
beim Krämer, Bäcker, Wirt und Hotelier Wenzeslaus Rudolf
Steverding
(1764-1840). 1837 wurde die Konzession als „Oldenburgische Postspedition“
an dessen Sohn Arnold Steverding (1795-1863) übertragen. Die Post
wurde aber nicht von Steverding verteilt. Er nahm die Post nur in Empfang,
stempelte
sie ab und stellte die Postsendungen sichtbar für die Bevölkerung
Steinfelds
im Stubenfenster aus. Die Poststelle soll Stallungen für rd. 50
Pferde gehabt haben und Haupthalte zwischen Oldenburg und Osnabrück
gewesen sein,
so steht das in einer Chronik der Familie Nieberding aus dem Jahre
1938
geschrieben. Nach den im Staatsarchiv vorliegenden Unterlagen ist diese
These nicht nachweisbar.
Doch mit der Zeit lohnte sich die Aufrechterhaltung der Postspedition
in
Steinfeld nicht mehr. Am 31. August 1861 hob das Staatsministerium
Oldenburg
die Post in Steinfeld auf. Steinfelds sollte künftig postalisch
von Lohne
aus versorgt werden. Noch am gleichen Tage beantragten der Gemeinderat,
Fabrikanten und Gewerbetreibende von Steinfeld beim Staatsministerium
in
einem 18 Seiten umfassenden Gesuch, die Aufhebung wieder rückgängig
zu
machen. Oldenburg konterte mit Statistiken und lehnte das Gesuch ab,
denn
aus Steinfeld wurden pro Tag gerade einmal sechs Briefe und zwei
Paketsendungen abgesandt.
Die Steinfelder Bürger gaben zwar äußerlich Frieden,
erneuerten ihr Gesuch
aber im Januar 1865 nochmals und wandten sich direkt an den Großherzog.
Die
Steinfelder wiesen dabei auf die wirtschaftliche Bedeutung und Lage
an der
Poststraße hin. Aber der Großherzog war für die 486
Seelen zählende
Bauerschaft Steinfeld unnachgiebig, denn die vorliegenden Zahlen sprachen
eine eindeutige Sprache.
Die Steinfelder zogen eine weitere Trumpfkarte, die stechen sollte.
In
Holland und Belgien ansässige Ur-Steinfelder sollten sich beim
Großherzog
für sie verwenden. Doch auch diese Strategie schlug fehl. Nach
einer über
fünf Jahre andauernden Hin- und Herschreiberei gaben die Steinfelder
ihren
„Post-Kampf“ auf. Aber fast genau 10 Jahre später wurde im Hause
Bergmann
die „Kaiserliche Post“ eröffnet und Clemens Bergmann wurde zum
Postexpediteur vereidigt.
Kommen wir aber an dieser Stelle auf die Familie Steverding zurück.
Mons
Wessel Steverding kam vermutlich kurz nach 1720 aus dem Raum Coesfeld
/
Nottuln nach Steinfeld. Dort heiratete er 1725 Catharina Gertrud Busch
mit
der er fünf Kinder hatte. Dessen Sohn Ernst Friedrich Anton Steverding
(1731-1797) war Vogt von Steinfeld. Zusammen mit seiner Frau Regina
Schade
(1727-1813) hat dieser acht Kinder. Zwei Töchter heirateten später
dessen
Nachfolger, denn nachdem die erste, Alexandra Regina (1768-1821 stirbt,
heiratet Maria Frederica Francisca Carolina (1770-1825) den Schwager,
den
Steinfelder Vogt August Hildebrand, der damals im heutigen Haus der
Gaststätte Overmeyer residierte. Der Bruder der beiden „Vogt Frauen“
war
Wenzeslaus Rudolf Steverding (1764-1840). Sein Beruf war Wirt, in dessen
Lokal die „Patrioten“, vermutlich wohl ehemalige Soldaten, verkehrten.
Er
heiratete 1787 Anna Catharina Wulfekuhl. Deren Sohn Gerd Josef Rudolf
heiratete Maria Theresia Rabe. Bei diesem Familienzweig handelt es
sich um
einen der Vorgänger der heutigen Gaststätte Westermann (Püt).
Deren letzte
Generations- und Namensvertreter in Steinfeld waren Josef, Clemens
und Pater
Franz Steverding, die vor einigen Jahren allesamt kinderlos gestorben
sind.
Den anderen noch wichtigen Familienzweig bildete Arnold Steverding
(1795-1863) mit Maria Theresia Honkomp. Er führte die Gaststätte
Steverding
zunächst weiter, die ja mittlerweile eine Posthaltestelle dazu
bekommen
hatte. Gemeinsam hatten die beiden neun Kinder. Vermutlich standen
die
Geschäfte aber nicht mehr so gut und nach dem Tod der Eltern,
die innerhalb
weniger Tage 1863 starben, verkaufte man das Eigentum an Franz-Josef
Mählmann aus Ondrup. Ein Teil der Kinder nämlich Josef (*1827),
Gerd Ignatz
(*1829) und Henrich Arnd (*1843) wanderte danach in die USA aus. Die
sechs
Töchter blieben allesamt in Steinfeld, vier davon heirateten.
Henrich Arnd
ließ sich in Cleveland /Ohio nieder, wo er später Bier braute
und es auch
als Wirt verkaufte. In seinen Einwanderungspapieren stand seinerzeit
u.a.,
dass er bereits in Steinfeld den Beruf des Bierbrauers erlernt hatte.
Er
starb 1910 in Cleveland. Auch Gerd, der 1896 starb kam nach Cleveland,
während sich Josef bei Verwandten seiner Frau (Honkomp) in Cincinnati
niederließ.
1868 hatte der Kaufmann Franz Josef Mählmann, Sohn des Zellers
Hermann
Henrich Mählmann (heute Athmann) aus Ondrup das Anwesen Steverding
übernommen. Der Kauf wurde die Heirat von 1883 mit der Bauerntochter
Anna
Maria Katharina Bernadina Meyer aus Dwergte „finanziert“. Warum um
die
Jahrhundertwende der Name Mählmann auf Möhlmann wechselte,
bleibt sicher das Geheimnis des damaligen Standesbeamten. Später übernahm
dessen Sohn Franz Josef und Maria Berta geb. Pille aus Schemde das Erbe.
Deren Tochter
Magdalena (*1922) hält bis zum heutigen Tage die Fäden in
der Hand. Im
Herbst 1951 heiratete die Geschäftsinhaberin den Bäcker Bernhard
von Wahlde.
Der Name „Mölm“ blieb trotz des Ehenamens von Wahlde allerdings
erhalten.
Mölms Leni und Mölms Bernd hatten drei Kinder. Unvergessen
das schmackhafte stets frische Eis zur Sommerzeit – das „Eis zu zehn“ der
Verkaufsschlager schlechthin. Heute führt „Leni“ mit ihrer Tochter
Thea den
Gaststättenbetrieb weiter. Theateraufführungen, Veranstaltungen,
Bälle,
Hochzeiten finden regelmäßig im Saal statt. Anlässlich
ihres 80.
Geburtstages im Februar dieses Jahres wurde „Leni“ übrigens zum
Ehrenmitglied des Steinfelder Kolpingorchesters ernannt. Das Haus Große
Straße Nr. 20 zählt übrigens zu den ältesten Häusern
Steinfelds. |