Heimatverein Steinfeld e.V.
- Geschichten -


Von der ersten Poststation bis zum „Eis zu zehn“
von Stephan Honkomp
Die wechselvolle Geschichte des heutigen Hauses Möhlmann („Mölms“) verlief
ab dem Jahre 1810 parallel mit der Entstehung des Postwesens in Steinfeld.
So verließen zur Winterzeit die Postboten um 8 Uhr Vechta, übernachteten in
Steinfeld und kamen am folgenden Tag in Damme an. Zehn Jahre lang gab es
diese Botenpost bevor im April 1820 die reitende Post zwischen Oldenburg und
Damme ihren Dienst aufnahm. In kleineren Orten wie Steinfeld wurde einem
Wirt die Konzession erteilt, die Briefe für  die umliegenden Bauerschaften
und den Ort selbst entgegenzunehmen. Diese Postannahmestelle befand sich
beim Krämer, Bäcker, Wirt und Hotelier Wenzeslaus Rudolf Steverding
(1764-1840). 1837 wurde die Konzession als „Oldenburgische Postspedition“ an dessen Sohn Arnold Steverding (1795-1863) übertragen. Die Post wurde aber nicht von Steverding verteilt. Er nahm die Post nur in Empfang, stempelte
sie ab und stellte die Postsendungen sichtbar für die Bevölkerung Steinfelds
im Stubenfenster aus. Die Poststelle soll Stallungen für rd. 50 Pferde gehabt haben und Haupthalte zwischen Oldenburg und Osnabrück gewesen sein,
so steht das in einer Chronik der Familie Nieberding aus dem Jahre 1938
geschrieben. Nach den im Staatsarchiv vorliegenden Unterlagen ist diese
These nicht nachweisbar.

Doch mit der Zeit lohnte sich die Aufrechterhaltung der Postspedition in
Steinfeld nicht mehr. Am 31. August 1861 hob das Staatsministerium Oldenburg
die Post in Steinfeld auf. Steinfelds sollte künftig postalisch von Lohne
aus versorgt werden. Noch am gleichen Tage beantragten der Gemeinderat,
Fabrikanten und Gewerbetreibende von Steinfeld beim Staatsministerium in
einem 18 Seiten umfassenden Gesuch, die Aufhebung wieder rückgängig zu
machen. Oldenburg konterte mit Statistiken und lehnte das Gesuch ab, denn
aus Steinfeld wurden pro Tag gerade einmal sechs Briefe und zwei
Paketsendungen abgesandt.

Die Steinfelder Bürger gaben zwar äußerlich Frieden, erneuerten ihr Gesuch
aber im Januar 1865 nochmals und wandten sich direkt an den Großherzog. Die
Steinfelder wiesen dabei auf die wirtschaftliche Bedeutung und Lage an der
Poststraße hin. Aber der Großherzog war für die 486 Seelen zählende
Bauerschaft Steinfeld unnachgiebig, denn die vorliegenden Zahlen sprachen
eine eindeutige Sprache.

Die Steinfelder zogen eine weitere Trumpfkarte, die stechen sollte. In
Holland und Belgien ansässige Ur-Steinfelder sollten sich beim Großherzog
für sie verwenden. Doch auch diese Strategie schlug fehl. Nach einer über
fünf Jahre andauernden Hin- und Herschreiberei gaben die Steinfelder ihren
„Post-Kampf“ auf. Aber fast genau 10 Jahre später wurde im Hause Bergmann
die „Kaiserliche Post“ eröffnet und Clemens Bergmann wurde zum
Postexpediteur vereidigt.

Kommen wir aber an dieser Stelle auf die Familie Steverding zurück. Mons
Wessel Steverding kam vermutlich kurz nach 1720 aus dem Raum Coesfeld /
Nottuln nach Steinfeld. Dort heiratete er 1725 Catharina Gertrud Busch mit
der er fünf Kinder hatte. Dessen Sohn Ernst Friedrich Anton Steverding
(1731-1797) war Vogt von Steinfeld. Zusammen mit seiner Frau Regina Schade
(1727-1813) hat dieser acht Kinder. Zwei Töchter heirateten später dessen
Nachfolger, denn nachdem die erste, Alexandra Regina (1768-1821 stirbt,
heiratet Maria Frederica Francisca Carolina (1770-1825) den Schwager, den
Steinfelder Vogt August Hildebrand, der damals im heutigen Haus der
Gaststätte Overmeyer residierte. Der Bruder der beiden „Vogt Frauen“ war
Wenzeslaus Rudolf Steverding (1764-1840). Sein Beruf war Wirt, in dessen
Lokal die „Patrioten“, vermutlich wohl ehemalige Soldaten, verkehrten. Er
heiratete 1787 Anna Catharina Wulfekuhl. Deren Sohn Gerd Josef Rudolf
heiratete Maria Theresia Rabe. Bei diesem Familienzweig handelt es sich um
einen der Vorgänger der heutigen Gaststätte Westermann (Püt). Deren letzte
Generations- und Namensvertreter in Steinfeld waren Josef, Clemens und Pater
Franz Steverding, die vor einigen Jahren allesamt kinderlos gestorben sind.
Den anderen noch wichtigen Familienzweig bildete Arnold Steverding
(1795-1863) mit Maria Theresia Honkomp. Er führte die Gaststätte Steverding
zunächst weiter, die ja mittlerweile eine Posthaltestelle dazu bekommen
hatte. Gemeinsam hatten die beiden neun Kinder. Vermutlich standen die
Geschäfte aber nicht mehr so gut und nach dem Tod der Eltern, die innerhalb
weniger Tage 1863 starben, verkaufte man das Eigentum an Franz-Josef
Mählmann aus Ondrup. Ein Teil der Kinder nämlich Josef (*1827), Gerd Ignatz
(*1829) und Henrich Arnd (*1843) wanderte danach in die USA aus. Die sechs
Töchter blieben allesamt in Steinfeld, vier davon heirateten. Henrich Arnd
ließ sich in Cleveland /Ohio nieder, wo er später Bier braute und es auch
als Wirt verkaufte. In seinen Einwanderungspapieren stand seinerzeit u.a.,
dass er bereits in Steinfeld den Beruf des Bierbrauers erlernt hatte. Er
starb 1910 in Cleveland. Auch Gerd, der 1896 starb kam nach Cleveland,
während sich Josef bei Verwandten seiner Frau (Honkomp) in Cincinnati
niederließ.

1868 hatte der Kaufmann Franz Josef Mählmann, Sohn des Zellers Hermann
Henrich Mählmann (heute Athmann) aus Ondrup das Anwesen Steverding
übernommen. Der Kauf wurde die Heirat von 1883 mit der Bauerntochter Anna
Maria Katharina Bernadina Meyer aus Dwergte „finanziert“. Warum um die
Jahrhundertwende der Name Mählmann auf Möhlmann wechselte, bleibt sicher das Geheimnis des damaligen Standesbeamten. Später übernahm dessen Sohn Franz Josef und Maria Berta geb. Pille aus Schemde das Erbe. Deren Tochter
Magdalena (*1922) hält bis zum heutigen Tage die Fäden in der Hand. Im
Herbst 1951 heiratete die Geschäftsinhaberin den Bäcker Bernhard von Wahlde.
Der Name „Mölm“ blieb trotz des Ehenamens von Wahlde allerdings erhalten.
Mölms Leni und Mölms Bernd hatten drei Kinder. Unvergessen das schmackhafte stets frische Eis zur Sommerzeit – das „Eis zu zehn“ der Verkaufsschlager schlechthin. Heute führt „Leni“ mit ihrer Tochter Thea den
Gaststättenbetrieb weiter. Theateraufführungen, Veranstaltungen, Bälle,
Hochzeiten finden regelmäßig im Saal statt. Anlässlich ihres 80.
Geburtstages im Februar dieses Jahres wurde „Leni“ übrigens zum
Ehrenmitglied des Steinfelder Kolpingorchesters ernannt. Das Haus Große
Straße Nr. 20 zählt übrigens zu den ältesten Häusern Steinfelds.

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