Zu
den drei großen Höfen im Ort Steinfeld zählte bereits 1535 der Hof Wilberding
mit seinen ursprünglich 57 ha Flächen. Hinrik Wilmerdink hieß der damalige
Hofbesitzer. Johann Wilberdinch, wohl dessen Sohn, lautete der Name des Bauern
im Jahre 1593. Das Kolonat gehörte zwischen 1504 und 1577 dem Gutsherrn Hilmar
von Lutten. Später taucht der Hof in den Papieren von Gut Ihorst auf – der Hof
gehörte also den Herren von Ascheberg, für die Wilberding umfangreiche Hand- und
Spanndienste leisten musste. 1815 wurde Wilberding mit den Gutsherren in einen
langjährigen Prozess verwickelt, der im Jahre 1829 mit dem Freikauf (Gutsherrnfreiheit
nach der Markenteilung) der Stelle zu 2.600 Thaler inclusiv Kosten
endete. Diese Kosten waren eine Art einmalige Ertragsentschädigung der
Hofesstelle, die an den früheren Gutsherrn zu leisten waren. So mussten zur
Abtragung dieser Gelder einige Ländereien veräußert werden. Auf der
gegenüberliegenden Hofesseite verkaufte man beispielsweise frühzeitig Ländereien
an die Familie Wittrock (sh. Nr. 46 / 47). Dennoch blieb die Größe des Hofes
stattlich. Ebenso der jährliche Pröven an den Pastor, der damals 2 ¼ Scheffel
Roggen, einen Schweinsrücken, 12 Eier und ein Huhn erhielt. Selbst der Küster
erhielt noch einen Scheffel Roggen.
Als Pfarrer Carolus Fürstenau mit dem „Status Animarum“ im Jahre 1699 die erste Steinfelder„Volkszählung“ durchführte, stand Joes Wilberding (*1639) dem Hof vor. Der Viehbestand um 1669 betrug: zwei Pferde, drei Kühe, vier Rinder, vier Schweine und 20 Schafe. Ihm zur Seite stand seine Frau Margaretha geb. Syverding (*1649) mit den Kindern Lucretia (*1676), Johann Henrich (*1678), Mechel (*1681) und Joes Casparus (*1684), der auf der Hofstelle Rabe in Ondrup einheiratete. Zum unmittelbaren Hof gehörten außerdem die Heuermannsfamilien Adam Blöcker, Hermann Döllmann und Arnold Meyer, dessen Witwe die Familie über Wasser hielt. Der Flurkarte der Flur 11 mit dem Namen „Wilberding“ aus dem Jahre 1836 kann man entnehmen, das damals vier Heuerhäuser zum Hof gehörten. Drei dieser seit einigen Jahrzehnten abgebrochenen Häuser lagen zwischen der Handorfer Straße und der Ostlandstraße. Das vierte, das lange Jahre von der Familie Kohake/Moormann bewirtschaftet wurde, ist noch heute erhalten. Es wird von Karl Wagner bewohnt und steht an der Bahnhofstraße.
Joes Wilberding, war 1699 bereits 60 Jahre alt. Er muss in der Zeit bis zur nächsten Zählung 1709 gestorben sein, denn dann bewirtschaftet dessen Sohn Johan Henrich den Hof. Er heiratet im Sommer 1707 Margaretha Elisabeth von der Möhlen, mit der er sechs Kinder zeugte.
Johann Henrich Arnold (1710-1786) heißt der „maior domus“ der nächsten Generation. Er heiratet am 17.11.1739 in Lohne Lucia (Lucretia) Margareta Ehrenborg (1721-1761), mit der er acht Kinder (sechs Mädchen, zwei Jungs) hatte. Vermutlich ist der Erstgeborene Heinrich Arend (*1741) im Kindesalter gestorben, denn der jüngere Bruder Johan Henrich (1755-1802) übernimmt das Erbe, nachdem dieser exakt 44 Jahre nach seinem Vater ebenfalls in Lohne eine Anna Maria Hartke (1760-1832) heiratet. Bereits ein Jahr später, am 2.11.1784 wird der Stammhalter Johann Henrich als erstes von sechs Kindern dieser Ehe geboren. Dieser heiratet seine erste Frau Anna Maria Ferdinanda Wittrock (1792-1825) am 20.11.1809 ebenfalls in Lohne. Vier Kinder haben die beiden: Bernadina (*1810), Catharina (*1812), Johann Heinrich (*1815) und Maria Theresia (1818-1822) und Maria Ferdinanda (1825-1858). Nachdem Johann Henrich im Mai 1831 ein 2. Mal heiratete und zwar Maria Catharina Pille, wandern diese zusammen mit dem gemeinsamen Sohn Joseph (*1832) und Bernadina, der ältesten Tochter aus der ersten Ehe kurz danach im Winter 1833 als erste Steinfelder nach Amerika aus. In der Passagierliste tauchen die vier als Nr. 76, 87, 88 und 89 auf. Deren Überfahrt mit dem Schiff „Leontine“ und deren Ankunft in Baltimore ist in dem Bericht von H.J. Böhmer, erschienen im Oldenburger Münsterland Jahrbuch 1998, S. 91, explicit zu lesen. Warum Wilberding als Hofeigentümer auswandert ist allerdings bis heute ein ungeklärtes Rätsel.
Fest steht, dass der Hoferbe aus erster Ehe, Johann Heinrich, am 13.04.1815 geboren wird und 1842 Carolina Böckmann (*1822) ehelicht. Mit jungen Jahren übernimmt dieser den Hof. Er ist es auch, der im Jahre 1850 die Dampfziegelei Wilberding aufbaut. Johann Heinrich Wilberding war zudem von 1865 bis zu seinem Tod 1873 Gemeindevorsteher Steinfelds. Seine Schwester Pauline Ende April 1843 erblickt der Stammhalter der nächsten Generation, nämlich Heinrich-Josef Wilberding das Licht der Welt. Seine Schwester Paulina (*1846) heiratet 1870 den Vechtaraner Friedrich Wilhelm Caesar. Heinrich –Josef W. heiratet recht spät (mit 38 Jahren) Maria Wilhelmina von der Assen (*1849). Vier Kinder gesellen sich zu den beiden: Heinrich (*1883), Josef, Julius und Bernhard. Auch Heinrich Josef Wilberding war Gemeindevorsteher Steinfelds und zwar in der Zeit von 1890 bis zum seinem Tod 1898. Die beiden erbauen sich im Jahre 1903 das noch heute existierende Wohnhaus, das seit 1993 von der Denkmalschutzbehörde des Landkreises Vechta unter Denkmalschutz gestellt worden ist. Im Januar 1883 war der Stammhalter Heinrich Wilberding geboren. Dieser heiratete im Juni 1911 Catharina Elisabeth Brokamp (1883-1964). Als Aussteuer brachte die Braut den Kollergang mit in die Ehe, der noch heute symbolisch an die Dampfziegelei Wilberding erinnert. Noch nicht einmal drei Jahre waren die beiden verheiratet, als die Nachricht kam, dass Heinrich Wilberding, der Großvater des heutigen Eigentümers, am 7.3.1915 im Alter von 32 Jahren bei Perthes in Frankreich gefallen war. Auch der Bruder Julius fiel am 12.10.1915 in Illuxt/Russland.
Die vor dem Hof befindliche Kreuzanlage erinnert noch heute an die Gefallenen der Familie Wilberding. Zu der Kreuzgruppe gehören das Kreuz sowie die Gottesmutter Maria und der hl. Johannes. Die Anlage wurde nach dem Ende des I. Weltkrieges zum Gedenken an die gefallenen Söhne der Familie Wilberding geschaffen.
Aus der kurzen Ehe Wilberding / Brokamp entstammen zwei Söhne, nämlich Heinrich Josef Wilberding und Gottfried Wilberding. Heinrich Josef W. hatte 1938 die aus dem Kirchspiel Damme stammende Elisabeth Flöttel (1913-1992) geheiratet. Auch dieser Ehe war nur ein kurzes Glück beschieden, denn Heinrich Josef Wilberding fiel im II. Weltkrieg in Ungarn am Plattensee. Er gehörte zur 6. Panzer Division und gilt seit dem Frühjahr 1945 als vermisst. Sein Bruder Gottfried ist übrigens nach Bakum geheiratet – er gehörte in den 30er Jahren zur legendären „Schemder Blech“ Kapelle. So übernahm Heinrichs Frau in der schweren Nachkriegszeit die Geschicke des Hofes bis Sohn Heinrich (*1939) zur Hofübernahme „heranreifte“. Heinrichs jüngere Schwester Wilma heiratete 1963 Heinrich Schmidt (sh. Nr. 30). Heute wird die letzte der im Ort verbliebenen ursprünglichen drei Bauernstellen, der rd. 53 ha große Hof, von Heinrich und Gerda Wilberding geb. Weghoff bewirtschaftet. Gerda Wilberding ist übrigens die vierte „wilberdingsche Braut“ durch die Jahrhunderte, die aus Lohne stammt. Vier Mädchen (Jutta, Annette, Karin und Doris) entstammen der 1968 geschlossenen Ehe.