Von Stephan Honkomp
Nirgendwo anders als in Cincinnati wurde in der Mitte des 19. Jahrhunderts mehr Bier gebraut als anderswo in den USA. Allein im Jahre 1856 verfügte Cincinnati über 36 Brauereien. Um 1890 stellten die dortigen Brauerein 1,4 Million Barrel Bier (= 167 Millionen Liter) her. Ein Drittel davon wurde über den Ohio gen Süden, ja sogar nach Brasilien oder Peu exportiert. Zwar war der südoldenburgische Einfluss der Brauereien nicht so bedeutend wie die Braukünste der süddeutschen Auswanderer, hat es aber verdient kurz dargestellt zu werden. Bier galt damals als „Heilmittel“ und es gab sogar einen kirchlichen Bier-Spruch:
„Gott fürchten macht selig
Bier trinken macht fröhlich
Drum fürchte Gott und trinke Bier
So bist Du selig und fröhlich allhier“
Zu den ältesten Brauereien südoldenburgischen Ursprungs die Wichmann & Co. Brauerei. 1861 kauften Henry Wichmann und Joseph Duveneck die „Hone´s Brewery“. Joseph Duveneck war Sohn eines Magistrats und wurde 1824 in Visbek geboren. Er war 1847 ausgewandert und hatte drei Jahre später einen Kaufmannsladen im Stadtteil „Over the Rhine“. Wegen des Brauerei Kaufes zog er nach Covington, ein Stadtteil Cincinnatis, der auf dem Südufer des Ohios im Bundesstaat Kentucky liegt. Zur Brauerei gehörte auch ein Biergarten. Neun Kinder gehörten zu seiner Familie. Duveneck war ein geachteter Bürger, u.a. war er Friedensrichter.
Zur Zeit des amerikanischen Sezessionskrieges kam es zu einer Begegnung der Duvenecks mit einer Kompanie konföderierter Soldaten der Südstaaten-Armee. Duveneck belieferte und versorgte mit seinem Sohn die umliegenden Farmen mit Lebensmittel und Bier. Auf der Rückfahrt nach Hause begegneten ihm die Soldaten. Unter ihnen der legendäre General John Morgan. Sie stoppten die Duvenecks. Geistesgegenwärtig fragte Josef Duveneck den General, ob er denn auch sein selbst gebrautes Bier wolle. Man solle ihm aber bitte Pferd und Wagen lassen, schließlich habe er eine große Familie zu ernähren. Morgan nahm das Bier und ritt mit seinen Soldaten davon.
Weitere in unseren Breitengraden bekannte Namen kleinerer Brauereien tauchen in den Büchern auf, wie z. B. die Steinriede Brewery, die von 1876-1882 produzierte. Die Arnold Ording Brewery überstand das Gründungsjahr 1870 nicht. Das gleiche Schicksal ereilte auch die Hagel, Thamann & Meyer Brewery ein Jahr später. Eine verwandschaftliche Verbindung zu einer großen Brauerei kann da Hermann Hüdepohl aus Holdorf vorweisen. Seine Verwandten aus seiner Linie haben 1885 „the Hudepohl Brewing Company“ gegründet, die noch heute besteht. Und dazu sehr erfolgreich noch Bier braut. Es wird Zeit die US-Brauerein in Cincinnati mal zu besuchen.
Jüngeren
Datums ist die „Oldenberg Brauerei“, die 1987 von Jerry Deters eröffnet wurde.
In Gedenken an den Urgroßvater Heinrich Clemens Deters, der im Jahr 1800 in
Steinfeld geboren wurde, baute dessen Urgrossenkel eine kleine Brauerei im
Baustil des 19. Jahrhunderts mit der neuesten Technik. 12.500 Barrel Bier werden
dort unter Aufsicht von
Braumeister Hans Bilger gebraucht. dieser erlernte sein Handwerk in Gottmadingen und arbeitete u.a. bei Löwenbräu in München bzw. bei Heineken in Holland. Die Oldenberg Brewery braut folgende Biere: „Premium Verum“, „Schenk“, Master Brewer´s Special“ und „Blonde Pilsener“. Der Name Oldenberg ist abgeleitet vom Namen Oldenburg.
Dann
wird noch ein Johann H. Meyer, geb. 15.09.1818 in Cappeln/Cloppenburg genannt.
John Meyer kam 1837 nach Amerika und beteiligte sich von 1882-1889 an der "Bavarian
Brewery" in Covington.
Quellen:
Cincinnati Breweries, Robert J. Wimberg, 1989
Festschrift 1683-1983, Don
Heinrich Holzmann, 1982
Over the Barrel, Timothy J. Holian